Was ist das Flavivirus?

Die Flaviviren zählen zu den sogenannten Togaviridae und umfassen viele verschiedene Arten, die zu unterschiedlichen Krankheiten führen können. Dazu zählen Zecken-Enzephalitis, japanische Enzephalitis, ST.-Louis-Enzephalitis, Murray-Valley-Enzephalitis sowie das Dengue-Fieber und Gelbfieber. Das Flavivirus selbst ist kein einzelner Erreger, sondern der Begriff beschreibt die Gattung von Viren, die verantwortlich für unterschiedliche Erkrankungen beim Menschen sind.

Wie bei vielen Viren so üblich, befindet sich das Erbgut der Erreger in einer äußeren Hülle, die keine Organellen besitzt. Die Viren haben keinen eigenen Stoffwechsel, sodass sie auf einen Wirt angewiesen sind, in dessen biologische Prozesse sie eingreifen können. Bei den Flaviviren dienen neben anderen, auch die menschlichen Zellen als geeigneter Wirt. Das Virus wird von Mücken, Zecken oder ähnlichen Insekten dann übertragen.

Welche Eigenschaften weist das Flavivirus auf?

Im Durchschnitt sind Flaviviren etwa 50 nm groß, weisen anhängig von der Art eine unterschiedlich aussehende sphärische Hülle auf. Das Gelbfieber-Virus, ebenfalls ein Flavivirus, weist zum Beispiel einen Durchmesser von nur etwa 22–38 nm auf und wird mithilfe von Stechmücken und Zecken von dem einen auf den anderen Menschen übertragen. Die Flaviviren gelangen nämlich während des Blutsaugens in die Zecken oder in die Mücken. Beißen oder stechen diese im Nachhinein eine andere Person, können die Flaviviren diese ebenfalls infizieren. Das geschieht, indem der Virus sein Erbgut in die menschliche Zelle bringt, die ihm wiederum als Wirt dienen.

Die Viren unterscheiden sich nicht allein aufgrund ihres Vorkommens, sondern auch aufgrund der Übertragung. Die Zecken-Enzephalitis geht auf Flaviviren zurück, die durch Zecken in den Menschen gelangen. Die St.-Louise-Enzephalitis hingegen wird durch Stechmücken übertragen.

Wie verbreitet ist das Flavivirus und wo kommt es überwiegend vor?

In (Süd-)Ost-Asien ist hauptsächlich die Japanische Enzephalitis, die durch Culex-Mücken von Vögeln und Schweinen auf den Menschen übertragen wird, verbreitet. Meist erkranken in diesen Ländern Kinder an der Enzephalitis, die Symptome wie Muskel- und Gliederschmerzen, hohes Fieber und Schüttelfrost mit sich bringt. Vorwiegend sind die Stechmücken auch für die Murray-Valley-Enzephalitis verantwortlich. Diese doch recht seltene Form der Hirnentzündung ist eher in Australien zu finden, besonders im Norden des Landes. Ebenfalls durch Stechmücken wird das Dengue-Virus übertragen, welches das Dengue-Fieber auslöst. Vor allem ist dieses Flavivirus in Südostasien verbreitet.

Welche Krankheiten und Beschwerden werden vom Flavivirus ausgelöst?

Wie bereits erwähnt sind die Flaviviren ursächlich für viele verschiedene Krankheiten. Bei einer Enzephalitis ist das Gehirn durch eine Entzündung betroffen, die sich durch verschiedenen Symptome bemerkbar machen kann. Die typischen Symptome dafür sind:

  • Fieber,
  • Krämpfe,
  • Bewusstseinsstörungen,
  • psychische Auffälligkeiten.


Zusätzlich kann es zu sogenannten neurologischen Herdsyndromen kommen, bei denen funktionelle Systeme betroffen sind. Dabei hängt die Art der Störung davon ab, welcher Teil des Gehirns betroffen ist. Eine Ausweitung der Enzephalitis auf die Hirnhäute und das Rückenmark ist ebenfalls möglich. Eher seltener kommt es zu Entzündungen der Wurzeln der Spinalnerven. In manchen Fällen kommt es durch die Entzündungen zu irreversiblen Schäden oder zum Tod des Patienten.

Gelbfieber ist ebenfalls auf die Infektion mit Flaviviren zurückzuführen. Das typische Krankheitsbild ist die Kombination aus Gelbsucht und Fieberschüben. Das Fieber tritt im Regelfall in Schüben auf. Des Weiteren kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Kreislaufstörungen,
  • Leberstörungen,
  • Nierenstörungen,
  • Blutungen.


Das Dengue-Fieber, welches ebenfalls durch Flaviviren ausgelöst wird, ist wie das Gelbfieber eine tropische und subtropische Krankheit. Neben dem Fieber treten meist folgende Symptome auf:

  • Muskelschmerzen,
  • Gelenkschmerzen,
  • Kopfschmerzen,
  • Lymphknotenschwellungen
  • Hautausschlag.

Wie wird das Flavivirus diagnostiziert?

Anhand einer ausführlichen Anamnese kann ein Arzt schon die ersten Hinweise auf eine Infektion mit dem Flavivirus finden. Der Patient war in den vergangenen Tagen eventuell in einem Hochrisikogebiet. Allerdings kann anhand von unspezifischen Symptomen und einer Anamnese keine gesicherte Diagnose gestellt werden. Hierfür muss eine Blutentnahme erfolgen.

Anders als bei vielen anderen Viren wird eine Infektion mit dem Flavivirus durch den Nachweis spezifischer IgM-Antikörpern im Serum und IgM-Antikörpern im Liquor bestätigt. Der Nachweis von IgM-Antikörpern im Liquor weist bei Flaviviren eine größere Spezifität und eine größere Sensitivität auf.

Wie wird das Flavivirus behandelt?

Eine ursächliche Therapie gegen das Flavivirus gibt es bislang nicht. Daher werden die Erkrankungen rein symptomatisch behandelt. Essenziell sind ausreichend Flüssigkeitszufuhr, damit es durch das hohe Fieber nicht zu einer Dehydration kommt. Ebenfalls wichtig sind Schonung und Ruhe. Um Schmerzen lindern und Fieber senken zu können, wird die Einnahme von Ibuprofen oder Paracetamol empfohlen. Bei Fieber können auch kühle Wadenwickel helfen, die Temperatur zu senken. Bei Übelkeit und Erbrechen sollte nur leichte Kost zu sich genommen werden.

Kommt es zu einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes des Patienten, kann eine intensivmedizinische Versorgung im Krankenhaus notwendig werden.

Wie kann man dem Flavivirus vorbeugen?

Die sichersten und effizientesten Maßnahmen dem Flavivirus vorzubeugen sind folgende:

  • Lange Hosen und langärmelige Kleidung tragen.
  • Moskitonetze verwenden,
  • ausreichend Insektenspray verwenden,
  • Wasserstellen vermeiden oder beseitigen.

Besteht für das Flavivirus eine Meldepflicht?

Laut Infektionsschutzgesetz muss der Krankheitsverdacht, die Erkrankung und auch der Tod an virusbedingtem hämorrhagischen Fieber sowie der direkte oder indirekte Nachweis von Flaviviren namentlich dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Diese Meldungen haben spätestens 24 Stunden nach dem Nachweis vorzuliegen.